• „Wer a Geld hod, wird operiert,
    und wer koans hod
    wird als Leich seziert.“ Couplet
     
    SCHMIDMÜHLEN. „Jeder unterhält sich, so gut er kann …“ – mit den Worten des Volksängers Karl Valentin stimmte die „Couplet-Arterhaltungs­Gesellschaft“ besser bekannt als die Couplet AG im Hammerschloss Stadel die Besucher auf einen Couplet- und Kabarettabend ein, bei dem sich jeder so gut unterhielt, wie er halt konnte. Es dauerte nicht lange, bis jeder, aber auch jeder bei 100 Prozent bester Unterhaltung ankam. Unterhaltung vom Feinsten – Karl Valentin hätte sicher seine Freude gehabt

    Die Couplet AG in Schmidmühlen – nicht zum ersten Mal. Lange hat die hiesige Anhängerschaft auf den zweiten Auftritt dieser Perlen des Kabaretts in der Lauterachtalgemeinde gewartet, exakt zehn Jahre. 25 Jahre Couplet AG – oftmals sind Rückblicke schmal und langweilig – anders bei der „Couplet-Arterhaltungs­Gesellschaft“ – es war ein satirisches Feuerwerk im Schmidmühlener Schlossstadel. Jürgen Kirner, Bianca Bachmann, Bernhard Gruber und Berni Filser, die „Feingeister bayerischer Satire und Hinterfotzigkeiten“ boten das, für das sie bekannt sind und für das sie stehen: Die Couplet AG lieferte mit sarkastischen Texten allerfeinste Polit- und Gesellschaftssatire. Zynisch, ironisch mit einem intensiven Hauch von schwarzem Humor zeigten sie die menschlichen Schwächen auf, fein verpackt, nicht mit dem „Hau-drauf-Hammer“ allseits bekannter Kabarettisten.



    „In“ sind derzeit die Partnervermitllungen. Zum Thema passend bot Bachmanns Partnervermittlungsagentur grundsolide Mannsbilder an, leider halt nur „Oide“. Gerne werden von dieser Agentur auch alleinstehende Seniorinnen augenzwinkernd mit „an Oidn“ verkuppelt, weil der zwar ned so „hoaß und mächtig“, dafür aber „bedächtig“ ist. Bissig, treffend und rabenschwarz, was sich weniger auf die politische Gesinnung des Ensembles bezieht als vielmehr auf deren Humor – schaute das Quartett hinter die Kulissen des politischen und menschlichen Seins und zückte den Spiegel.



    Was die politisch gefärbten Gäste anbelangt, so musste die – egal welcher Couleur – schon einiges aushalten. Rotzfrech, messerscharf und ungehemmt ging es in die Vollen. „Wir wollen nicht die Riester – Rente ham, wir wollen Riesters Rente ham“ – eine Forderung, die gerne vom Publikum aufgenommen wurde ebenso wie die Suche eines Rentners, der im Bademantel auf der Suche nach seiner Rente ist, die er aber nicht finden kann und finden wird, „weil´s die andern schon lange verscherbelt haben“.

    Der Alltag gibt viel her für die Couplet AG, das Gesundheitssystem gehört dazu. So werden sie zu nachdenklichen Doktoren, die sich Gedanken machen über die Finanzierung ihrer Privatklinik, die, „wenn es gar nicht langt, dann halt transplantieren“. Oder auch der Wiener Alkoholiker, der in seiner Partnerin ein Problem sieht: „Mei Alte sauft so fui wia i“.  



    Bitterböse und bissig wird ebenso über Mütter mit Latte-Macchiato-Schaum im Gehirn („ham statt Hirn nur Milchschaum drin“) gelästert, weil sie bei der Kinderwagenralley im Supermarkt alles blockieren. Spätestens wenn ein Mann mit zum Platzen gespannter Wampe zärtlich „Bierbauchhase“ genannt wird, besteht die Gefahr, vor Lachen vom Stuhl zu rutschen. Auch das bayerische CSU-Allheilmittel, welches in keiner gut sortierten Hausapotheke fehlen darf, das „Söder-Zapferl“, wurde nicht in der Requisite vergessen, sondern gewissermaßen oral-rektal unters Publikum gebracht. Wunderbar schlüpfrig, (fast) immer politisch korrekt, mit viel Witz und Charme halten die Künstler der Gesellschaft einen Spiegel vor. Nicht selten merkt der Lacher erst hinterher, dass er sich selbst belacht hat. Viele ihrer Lieder haben sich zu „Klassikern“ der bayerischen Musikszene entwickelt: „Geh peitsch mi“, „A Glaserl Eigenurin“, oder „Verkauf ma die Schwiegermutter und versauf ma des Geld“ werden landauf und -ab begeistert gespielt und gesungen. Excellent in Form, bodenständig und mit schauspielerischen Klasse präsentierten Jürgen Kirner und Bianca Bachmann einen Rückblick, eingerahmt wurden die verbalen Spitzen musikalisch von Bernhard Gruber (Akkordeon), der auch die Melodien liefert und Berni Filser an der Gitarre. (ajp)

    InfoTeil: Bestens vorbereitet war der Couplet AG – Abend vom Heimat- und Kulturverein. Weiter geht es beim Heimat- und Kulturverein am 26.10 mit der Hubertusmesse, am 2. November mit dem Allerseelenschiffchen, und am 7. November lesen “Schmarrnkerl und Funkerl Eugen Okers Winnetou in Bayern”. Den Abschluss eines tollen Kulturjahres bildet am 19.12. ein Konzert der „Ramona Fink Gospel Group“ sein. (ajp)

     

    

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