• Wortmeditation, Pfarrer Werner Sulzer:

    Wenn ein Schiff am Horizont immer kleiner wird, verschwindet es aus den Augen des Betrachters. Aber es ist dennoch da. Man sieht es nur nicht. An einem anderen Ort erscheint das Schiff am Horizont und wird erwartet. So ist es mit dem Sterben.
    Der November gilt landläufig als der Totenmonat. Allerheiligen, Allerseelen, Totensonntag und Volkstrauertag mahnen die Lebenden und holen die Verstorbenen in das Gedächtnis der Hinterbliebenen zurück. Neben der theologischen Dimension hat sich auch viel weltliches Brauchtum in diesem Monat, besonders für die ersten beiden Tage des Monats, Allerheiligen und Allerseelen, herausgebildet.



    Schmidmühlen. (pop) Allerseelen – in ganz Bayern gedenken die Christen am 2. November ihrer Verstorbenen. Auch in Schmidmühlen und hier gibt es seit vielen Jahren einen schönen Brauch, das Allerseelenschiffchen. Mit dem Allerseelengottesdienst und dem Einsetzen der Schiffchen bildet der christliche Glaube und der weltliche Brauch auch in diesem Jahr wieder eine wunderbare Einheit.
    Bereits bei seiner Begrüßung verstand es Pfarrer Werner Sulzer den Kindern und Jugendlichen in der Kirche den Brauch in ihrer ihnen eigenen Sprache näher zubringen. Er ließ den Blick zurück schweifen in die Mitte der 1930 Jahre in denen er Kinder den Brauch “erfinden ließ”. So war es wohl ein Zufall, vielleicht, so Pfarrer Sulzer, wollten die Kinder damals nicht nach Hause gehen, “a bisserl noch umher strawanzen”, als einer über ein großes Rindenstück stolperte und dann auf die Idee kam, sein Wachsstöckerl auf die Rinde zu setzen und es auf der Lauterach schwimmen zu lassen. Im darauffolgenden Jahr waren es vielleicht mehrere Kinder, denen dies gefiel und zum Entschluss kamen: Allerseelenschiffchen – echt cool.
    Tatsächlich könnte es auch so gewesenen sein. Ortsheimatpfleger und Ehrenbürger Michael Koller erinnert sich: “Früher in der Allerseelenwoche jeden Tag in der Friedhofkirche ein Rosenkranz gebetet. Bei diesen Rosenkränzen brannten auch immer kleine Kerzen und Wachstöckeln. Nachdem Rosenkranz nahmen die Kinder – vor allem waren es Buben – die brennenden Kerzen mit aus der Kirche und setzten sie auf kleine Rindenschiffchen oder Holzbretter und ließen sie auf der Lauterach bis zum Hammer schwimmen. Dies geschah vereinzelt nach jedem Rosenkranz. Am Allerseelentag wurden dann nach dem Rosenkranz von allen Kindern die Allerseelenschiffchen mit Kerzen auf ihre Reise geschickt.”
    Sicher waren sich die Kinder damals nicht der religiösen Dimension bewusst, der Symbolik von Wasser und Licht, die mit dem Weihwasser und der brennenden Osterkerze deutlich werden. Das Wasser und das Licht stellte Pfarrer Werner in seiner beeindruckenden Predigt in den Mittelpunkt. Insbesondere zu den Kindern stellte er einen Zusammenhang her zwischen dem eigenen Leben und dem Allerseelenschiffchen. “Das Schiffchen seid ihr, der Mast ist Jesus, der Orientierung gibt, Halt und der Antrieb ist und das Kerze auf dem Schiffchen ist eine kleine Osterkerze, die zeigt, dass man in ein strahlendes Licht eingeht.” Nach wie vor ist für den Kulturverein die Fortführung des Brauches “Allerseelenschiffchen” nur mit einem Gottesdienst denkbar. Der Brauch soll auch weiterhin auf einfache Weise praktiziert werden: keine Show, kein Rummel, kein Kommerz. Sicher sind sich die Organisatoren allemal: Mit dem ruhigen Dahingleiten der leuchtenden Schiffchen auf der Lauterach gleiten viele Gedanken zu den Verstorbenen. Heimat- und Kulturverein und die FFW Schmidmühlen- sie war mit vielen Aktiven unter der Leitung von 1. Kommandant Jürgen Ehrnsberger vor Ort – halten gemeinsam den Brauch am Leben. Beide Vereine arbeiteten auch heuer Hand in Hand wieder zusammen. Über 80 Allerseelenschiffchen gaben heuer für eine halbe Stunde der Lauterach bunte flackernde Farbtupfer zum Gedenken an die Verstorben.

    Fotos: pop


    Allerseelenschiffchen auf der Lauterach



    Florians Schmidt von der FF Schmidmühlen schickte die Schiffchen auf “große Fahrt)



    Stolz zeigen Malena (4) und Elena (8) ihre selbstgebauten Allerseelenschiffchen



    Die FF Schmidmühlen unterstützte mit großem Personalaufgebot den Brauch – Thomas Birner und Paul Scheuerer


    Das Gedenken an die Toten hat in der christlichen Kirche eine lange und wichtige Tradition. So gibt es jährliche Gedenktage an die Verstorbenen schon seit dem Mittelalter. Noch Papst Johannes XXIII hat von Ostern als dem “Fest aller Toten” gesprochen. Die Christen in aller Welt gedenken seit dem 9. Jahrhundert ihrer Verstorbenen am 2. November, dem Tag nach Allerheiligen. Der Armenseelenkult wurde durch die auch im Trienter Konzil bestätigte Auffassung bestärkt, dass die Seelen vor ihrer Aufnahme in das Reich Gottes an einen Ort der Reinigung kommen.
    (pop)
    

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