• Am 2. November, der Allerseelentag, lebt ein alter Brauch wieder auf: das Allerseelenschiffchen. Es ist ein Brauch, den der Heimat- und Kulturverein vor vielen Jahren ins Leben gerufen hat. In Schmidmühlen hat dieser Brauch eine lange Tradition. An die Vorkriegsjahre erinnert sich Ortsheimatpfleger Michael Koller.



    In der Allerseelenwoche wurde bis etwa in die Mitte der 50iger Jahre des letzten Jahrhunderts jeden Tag in der Friedhofkirche ein Rosenkranz gebetet. Bei diesen Rosenkränzen brannten auch immer kleine Kerzen und Wachstöckeln. Nach dem Rosenkranzgebet nahmen die Kinder – vor allem waren es Buben – die brennenden Kerzen mit aus der Kirche und setzten sie auf kleine Rindenschiffchen oder Holzbretter und ließen sie auf der Lauterach bis zum Hammer schwimmen. Dies geschah vereinzelt nach jedem Rosenkranz. Am Allerseelentag wurden dann nach dem Rosenkranz von allen Kindern die Allerseelenschiffchen mit Kerzen auf ihre Reise geschickt. Mit dem 2. Weltkrieg kam das Ende für das Allerseelenschiffchen. Aus Angst vor Luftangriffen wurde offenes Licht verboten.

    Dieser alte Brauch, so ist man heute noch in Schmidmühlen überzeugt, sieht die Wurzeln des Allerseelenschiffchens mit Sicherheit in der tiefen Gläubigkeit der damals lebenden Leute. Der Brauch hat sicher einen tiefen theologischen Hintergrund. Zumal vor dem „Ins Wasser setzen“ der Schiffchen mit den Erwachsenen und Kindern ein Rosenkranz in der Friedhofkirche gebetet wurde. Nur um eine Gaudi oder einen „Event“ zu machen, dazu war die Zeit in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts mit Blick auf Armut, harte Arbeit und der aufkeimenden Diktatur einfach nicht danach. Zu einem „Leben am Fluss“ gehört auch das „Sterben am Fluss“.

    Heute ist dieser Brauch, der die Lauterach in ein buntes Lichtermeer verwandelt fast wie eine Licht- oder Naturmeditation. Das Allerseelenschiffchen wird und soll auch weiterhin auf einfache Weise praktiziert werden: keine Show, kein Rummel, kein Kommerz. Unter dieses Motto soll auch in Zukunft der Brauch stehen. Sicher sind sich die Organisatoren allemal: Mit dem ruhigen Dahingleiten der leuchtenden Schiffchen auf der Lauterach gleiten viele Gedanken zu den Verstorbenen. Organisiert wird dieser Brauch wieder vom Heimat- und Kulturverein mit der Vorsitzenden Martina De Wille. Bei diesem Brauch hilft in diesem Jahr auch wieder die FF Schmidmühlen beim Einsetzen und Herausnehmen der Schiffchen.

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