• Markt Schmidmühlen

    Heimatgeschichte

    Das
    Obere Schloss



    Von Adeligen, Kunst und Kultur und einem
    starken Schlosswächter




    um 1920

    April 2017, Josef Popp


    Zur Geschichte

    Der Markt Schmidmühlen hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, die sicher auch von Tiefen, aber vor allem auch durch wirtschaftliche und kulturelle Glanzzeiten geprägt ist. Diese Geschichte spiegelt sich heute noch in den vielen, teilweise sehr imposanten Häusern und Anwesen wieder. Quasi ein magisches Dreieck im Ortskern bilden die drei Schlösser: das Obere Schloss, das Hammerschloss und das Zieglerschloss. Bereits die erste urkundliche Nennung im Jahre 1010 zeugt von wirtschaftlicher Emsigkeit.

    Der Markt Schmidmühlen befand sich um 1000 nach Christus im Besitz der Marktgrafschaft von Hohenburg. 1010 wird von einer Ladestätte (Anlegestelle für Schiffe) am Fluss „Vilsia ge smidimulni“ berichtet. Der Name lässt den sicheren Schluss zu, dass hier eine Schmiedemühle stand. Bereits zu dieser Zeit waren Schmidmühlen an ein weitverzweigtes Handelsstraßennetz angebunden. Immerhin führte die wichtige Bayerische Eisenstraße durch Schmidmühlen und somit am Hafen vorbei. Dieser durchaus große wirtschaftliche Aufschwung im frühen Mittelalter ließ es so manchen rührigen Handwerker, aber auch den Ort, zu Reichtum bringen. Das Marktwappen mit Mühlrad und Hammer erschien erstmals 1311 als Schildbild des Reimbot von Schmidmühlen, einem der Besitzer des Oberen Schlosses. 1270 wurde Schmidmühlen zum Markt und gleichzeitig zum Amt erhoben.
    Ein wirtschaftlich derart bedeutender Ort musste natürlich auch geschützt und verwaltet werden. Auf diese Begebenheit dürfte wohl die Gründung und Erbauung des Oberen Schlosses zurückzuführen sein. In Schmidmühlen gab es früher zwei Adelssitze: einer befand sich im Hammerherrenschloss, der zweite im Oberen Schloss. Dies hatte zur Folge, dass es über Jahrhunderte viele Adelige gab, die auch in der Ortschaft, vor allem in der Pfarrkirche und in der Friedhofkirche ihre letzte Ruhestätte fanden.

    Ursprünglich befand sich an der jetzigen Stelle des Oberen Schlosses eine Wasserburg. Auf der Burg selbst saßen bis 1270 Ministeriale der Hohenburger Grafen, dann wurde sie wittelbachisch. Etwa um 1353 erfolgte durch den letzten Schmidmühlener (Karl von Schmidmühlen) entweder ein Neubau oder eine umfangreiche Neugestaltung. Das heutige Schloss ist um 1600 durch Hans Jakob Hausner von Winbuch erbaut worden. In diesem Schloss befand sich auch im Erdgeschoß eine kleine Kapelle, die jedoch bereits vor langer Zeit zugeschüttet und zugemauert wurde. Im Laufe der Jahrhunderte wechselten immer wieder die Besitzer. Bei einer wissenschaftlichen Erfassung um 1900 war das obere Schloss unbewohnt. Es diente, so der Bericht, seit vielen Jahrzehnten zur Aufbewahrung von Hopfen und Getreide. 1919 verkaufte es Josef Rubenbauer an einen Nürnberger Architekten mit Namen Jakober, der es wieder gründlich renovierte und bewohnbar machte. Im Jahre 1937 ging es in den Besitz der Marktgemeinde Schmidmühlen über. Das Schloss wurde anschließend als Rathaus verwendet. Während des Zweiten Weltkrieges und danach hatte das Obere Schloss unter den Einquartierungen durch die Besatzungsstreitkräfte schwer gelitten. So wurde im zweiten Stock ein wertvoller Keramikofen zerstört. In dieser Zeit des 2. Weltkrieges war auch der Kindergarten und von 1947 bis 1960 zwei Klassen der Volksschule im Schloss untergebracht. Von 1977 bis 1980 erfolgte eine gründliche Restaurierung, bei der nicht nur das Schloss selbst, sondern auch der Schlossgarten sein Gesicht veränderte. Seit der Nachkriegszeit dient das Schloss dem Markt Schmidmühlen als repräsentatives Rathaus.



    Im Oberen Schloss ist oben im Turm ein runder, mit Blumen und Rosetten bemalter Plafond, der von einer zierlichen Holzsäule gestützt wird. Das gesamte zweite Obergeschoß gehört durch seine Ausstattung zu den interessantesten Resten der deutschen Renaissance. Was zwei Jahrzehnte früher in dem herzoglichen Schloss Trausnitz in Landshut in umfangreichem Maße auf dem Gebiet der profanen Wandmalerei geleistet wurde, wiederholt sich im Oberen Schloss im Kleinen.


    Die Schlossgartenfeste



    Das Obere Schloss war aber nicht nur Sitz edler Herren oder dient als Sitz der Gemeindeverwaltung. Es war auch über Jahrzehnte ein gesellschaftlicher Treffpunkt. Hierzu gehörten ab Beginn der 1970er Jahre knapp ein Jahrzehnt die Schlossgartenfeste. Es war noch die Zeit, in der das Fernsehprogramm nur auf drei Sendern stattfand, sofern man in der damaligen Zeit ein Fernsehgerät besaß. So gehörte in den Sommermonaten der Schlossgarten den Vereinen und den Bürgern. Kaum ein Verein, der kein Fest im Schlossgarten anmeldete. Die damalige Brauerei Schmid braute sogar eigens ein Festbier, aus dem später der mit einer Silbermedaille prämierte „Schlosswächter“ (Stammwürze über 13 Prozent) für diese Gartenfeste entstand. Nachdem dieses durchaus süffige, aber starke Bier nicht wenigen Schlossgartenfestbesuchern „arg zusetzte“, verzichtet die Brauerei und die Vereine auf eine weitere Produktion und Verkauf. Zünftig wurde damals im Schlossgarten gefeiert und noch heute erinnert man sich gerne an diese Zeit. Doch mit den Jahren verloren die Schlossgartenfeste an Attraktivität – es waren einfach zu viele. Nach vielen „hin und her“ fand man eine Lösung: Ein großes gemeinsames Fest. Das Ergebnis dieses „hin und her“ existiert heute noch – das Marktfest war „geboren“. Im Oberen Schloss nahm übrigens auch der Kultursommer seinen Anfang. Franz Xaver Eichenseer und Hans Wuttig waren die ersten Künstler, die ihre Werke ausstellten. An zwei Wochenenden kamen gerade einmal 30 Besucher. Das änderte sich aber bald. Bei einer Ausstellung „Kleider machen Leute – Leute machen Kleider“ zählte man weit über 1000 Besucher. Und auch heute noch ist man bestrebt, das Obere Schloss mit in das Marktfest und das gesellschaftliche Leben zu integrieren. Das Obere Schloss – eben mehr als nur ein denkmalgeschütztes Gebäude.


    Erinnerung

    Zur 1000 – Jahr – Feier lud der Heimat- und Kulturverein zu einer „Marionetten – Tour“ durch den Markt Schmidmühlen ein. Gespielt wurden insgesamt vier Stücke, die sich mit der Geschichte des Ortes beschäftigten. Eine Station war damals auch das Obere Schloss. Erzählt wurde eine Geschichte, die sich tatsächlich ereignet hatte. Im Nachhinein zum Schmunzeln ist sicher eine Geschichte, ein Lausbubenstreich, der sich in den 50iger Jahren des letzten Jahrhunderts abgespielt hat. Damals war sicher dem einen oder anderen Buben in Schmidmühlen das Lachen vergangen. Angstschweiß war angesagt. Damals war die Schule mit einigen Klassen im Oberen Schloss untergebracht. Hinter dem Schloss war auch ein Aufzug (Ring), an dem die Feuerwehrschläuche zum Trocknen aufgehängt wurden. Dies war wohl für eine Mutprobe sehr verlockend. Und so kam es wie es kommen musste: Ein Schüler setzte sich auf den Schlauchring und wurde während der Pause hinaufgezogen. Als man ihn wieder herunterziehen wollte, rastete die Kurbel ein – und der arme Schüler schwebte am Schloss über seinen Mitschülern. Schließlich wurde er von zwei Arbeitern und dem Lehrer aus seiner misslichen Lage befreit. Die Leviten, die die Schüler zu hören und vielleicht auch zu spüren bekamen – sie wurden vorsichtshalber beim Spiel ausgeblendet.


    Die Besitzer

    1142–1147 widerrechtliche Besetzung durch den Regensburger Burggrafen Otto Boliz und seine Söhne
    1166–1170 Ernst von Schmidmühlen
    1179–1191 Reginbot von Schmidmühlen
    1242 Reimboto von Schmidmühlen
    1263 Otto von Schmidmühlen
    1270–1284 Eberhard von Schmidmühlen – Jakobäa von Sinzenhofen, Eltern des Abtes Albert von Emmeram zu Regensburg
    1328-1348 Karl und Hugo von Schmidmühlen, Brüder des Abtes
    1352–1356 Karl von Schmidmühlen, Sohn des vorstehenden Karls
    1363 Ulrich und Hans Ettenstetter, Brüder
    1367 Ulrich Wolf von Nabburg, Richter zu Rieden
    1407 Georg Ettenstetter
    1463 Lienhard Haug
    1514–1532 Heinrich Alberger, Vinzenz von Würzburg
    1546-1551 Wilhelm Hausner von Winbuch
    1552–1555 Mathäus Hausner von Winbuch
    1595–1614 Georg Hausner von Winbuch, Pfleger zu Regenstauf, Erbauer des jetzigen Schlosses
    1614–1655 Hans Jakob, Ludwig und Bartholome Hausner von Winbuch, (Brüder, gemeinsamer Besitz), Christoph von Kürmreuth
    1676–1720 Wilhelm Franz Freiherr von Spiering, Herr von Fronberg, auch von Bergheim, kurfürstlicher Rat, Kämmerer
    1720 Carl Wilhelm Freiherr von Spiering
    1746–1767 Carl Lorenz Wilhelm Freiherr von Spiering
    1775–1777 Maximilian Karl Freiherr von Spiering
    1777–1803 Adeliges Damenstift Niedermünster zu Regensburg
    1829 Michael Schmid, Rösslwirt und Posthalter
    1866 Isidor Rubenbauer, Rösslwirt und Posthalter Josef Rubenbauer
    1919 Architekt Jakober, Baron von Clanner Engelzhofen aus Prag
    1923 Ferdinand Eichenseer
    ab 1937 Markt Schmidmühlen


    Datum , Autor

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